Der Titel-Traum platzt erneut gegen Frankfurt

TOP4: Die Ulmer U16 verliert das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen Frankfurt mit 53:61 / Artur Kolodziejski: „Die Jungs haben ihr Herz auf dem Feld gelassen“

Als auf dem Parkett der Kuhberghalle bereits die Siegerehrung lief, kauerte das Ulmer U16-Team auf der Bank – die Mienen versteinert, die Augen feucht von Tränen. Da halfen auch die Aufmunterungen, die BBL-Coach Thorsten Leibenath verteilte, nichts. Im Heim-Finale um die deutsche U16-Meisterschaft hatte die ratiopharm akademie eine Halbzeit lang den Ton angegeben. Dann, im dritten Viertel, nahm die Partie eine dramatische Wendung, die Gäste spielten sich in einen Rausch (18:26) – und Geschichte wiederholte sich: Wie schon vor zwei Jahren im Endspiel um die U14-Meisterschaft war Frankfurt letztlich abgezockter und nahm durch einen 53:61-Sieg die Trophäe mit nach Hause. „Die Jungs haben ihr Herz auf dem Feld gelassen. Trotz der Finalniederlage könnte ich nicht stolzer auf das Team sein“, so Artur Kolodziejski, Sportlicher Leiter der ratiopharm akademie. „Gegen den gleichen Gegner wie vor zwei Jahren zu verlieren, ist bitter. Trotzdem war es eine Hammer-Saison“, sah auch Point Guard Tim Köpple das Positive in einer Saison, in der die Ulmer U16 die einzige Saisonniederlage (25 Siege) im Endspiel kassierte.

Das TOP4-Wochenende wurde abgerundet vom NBBL-Finale, in dem Güßbach sich mit einem 65:46-Kantersieg über Berlin den Titel holte. Nach zwei Tagen Spitzen-Basketball und insgesamt 4.000 Zuschauern am Kuhberg zog Artur Kolodziejski ein sehr positives Turnier-Fazit: „Die beiden Tage haben unglaublich viel Spaß gemacht und gezeigt, wie hoch das Niveau im Jugendbereich inzwischen ist“, so Kolodziejski, der besonders die unzähligen ehrenamtliche Helfer hervorhob: „Es war inspirierend zu sehen, wie viel Hilfsbereitschaft das Thema Jugend-Basketball hervorruft.“ Dem schloss sich NBBL-Geschäftsführer Uwe Albersmeyer an: „Die Kuhberghalle war eine Top-Location für das TOP4, das von Ausrichter Ulm hervorragend organisiert war.“

JBBL-Finale: ratiopharm akademie vs. Eintracht Frankfurt 53:61 (20:20)

Trotz des „Finales dahoim“ war bei den Ulmern zunächst keine Nervosität zu spüren – die Gastgeber legten mit druckvoller Defense, schöner Ballbewegung und einem 4:0 (3. Minute) einen Start nach Maß hin. Wenngleich Tim Köpple (5 Pkte) und Mate Fazekas (4) alle Ulmer Punkte im 1. Viertel erzielten, war der Star die Verteidigung (9:4). Und die Abwehrreihen blieben prägend, wobei Frankfurt in einem Low-Scoring-Game langsam besser zurecht kam: Zwei schnelle Drives von Fabian Bender besiegelten einen 2:6-Run zum 13:12-Anschluss der Hessen, die kurz vor der Halbzeit dann erstmals in Führung gingen (15:16). Doch Ulm konnte sich auf Fazekas verlassen: Der Center erzielte nach traumhaftem Anspiel von Krimmer die erneute Führung (18:16), die dem Ulmer Team nach einem defensiven Aussetzer kurz vor der Sirene aber wieder entglitt (20:20).

Und jetzt nahm das Finale auch offensiv Fahrt auf – und wurde zu einem Schlagabtausch auf höchstem Niveau: Bis zur 24. Minute wechselte die Führung achtmal die Seiten, bis die Gäste mit einer 9-Punkte-Serie erstmals im Spiel deutlich Oberwasser gewannen (29:36, 25.). Frankfurt nun selbstbewusst und mit einem Noah Litzbach in Bestform (10 Punkte im Viertel), Ulm hektisch und mit 7 Ballverlusten im 3. Abschnitt, die die Gäste immer wieder zu leichten Körben einluden.

Mit einem 8-Punkte-Rückstand (46:38) ging es ins Schlussviertel – und die Ulmer stemmten sich noch einmal mit aller Macht gegen die drohende Niederlage. Ein Steal plus Dreier von Dejan Puhali zum 43:48-Anschluss (32.) ließ die Emotionen hochkochen. Doch Frankfurt hatte jetzt immer eine Antwort parat: Zwei Gäste-Dreier sorgten für die höchste Differenz (43:54, 34.) und nahmen dem akademie-Team die Luft aus den Segeln. Und so verpufften auch die weiteren Ulmer Comeback-Versuche: Immer wieder verhinderten ein Ballverlust, ein vergebener Korbleger oder ein Treffer der Eintracht den Anschluss. Als Turnier-MVP wurde Frankfurts Jim Gietz (12 Punkte, 4 Assists) gewürdigt.

Es spielten: Fazekas (21 Punkte, 11 Rebounds), Köpple (15), Puhali (6), Reisig (4), Mignemi (3), Hanzalek (2), Krimmer (2, 9 Rebounds), Kimpel, Hertle, Pachucki, Brucke, Hötzel.

NBBL-Finale: TSV Tröster Breitengüßbach vs. ALBA BERLIN 65:46 (34:25)

Der deutsche U19-Champion heißt zum zweiten Mal nach 2012 Tröster Breitengüßbach. Die Franken – am Samstag knapper Halbfinal-Sieger gegen Ulm (56:65) – setzten sich im Finale gegen ALBA BERLIN klar und deutlich mit 65:46 durch. Als Turnier-MVP wurde Tibor Taras ausgezeichnet.

Stimmen zum TOP4:

Artur Kolodziejski (Sportlicher Leiter ratiopharm akademie): „Unsere Ulmer Jungs haben ihr Herz auf dem Feld gelassen. Trotz der Finalniederlage könnte ich nicht stolzer auf das Team sein – das gilt aber auch für unsere U19. Die beiden Tage haben unglaublich viel Spaß gemacht und gezeigt, wie hoch das Niveau im Jugendbereich inzwischen ist. Ein großes Lob gilt den Organisatoren und allen Helfern im Hintergrund. Es war inspirierend zu sehen, wie viel Hilfsbereitschaft das Thema Jugend-Basketball hervorruft.“

Thorsten Leibenath (Head Coach ratiopharm ulm): „Allen Teams beim TOP4 war die Nervosität anzumerken – es ging eben um sehr viel. Trotzdem war zu sehen: Jugend-Basketball wird in Deutschland inzwischen auf einem hohen Niveau gespielt. Ich habe dem JBBL-Team nach dem Spiel Trost gespendet, aber auch gratuliert. Auch ein 2. Platz ist eine große Leistung. Was unsere Ulmer Mannschaften hier gezeigt haben, hat mich beeindruckt. Hätte mir vor fünf Jahren jemand gesagt, dass Ulm mit zwei Jugend-Teams um den Titel mitspielt, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Diese Entwicklung ist Thomas Stoll, Artur Kolodziejski und allen Trainern sehr hoch anzurechnen.“

Tim Köpple (Point Guard Ulmer JBBL-Team): „Gegen den gleichen Gegner wie vor zwei Jahren zu verlieren, ist bitter. Nach dem Sieg im Halbfinale gegen Lichterfelde war die Stimmung im Team sehr gut – aber es war klar, dass das noch nicht die Meisterschaft ist. Trotz der Niederlage im Finale war es eine Hammer-Saison.“

Fotos: NBBL/Achberger, Kuczera.

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