Ladies first!

Mit einem Sieg im Nachholspiel am Dienstagabend in Gerlingen (Tipoff: 20 Uhr) können die Damen 1 den Aufstieg in die Regionalliga perfekt machen. Eine Erfolgsgeschichte.

Der Damen-Basketball ist zurück in Ulm! Den Eindruck muss man gewinnen, wenn man das wahrscheinlich entscheidende Spiel der Damen 1 Anfang Februar gegen Konstanz in der gut gefüllten Listhalle miterlebt hat. Die und 150 Zuschauer sind ein Indiz dafür, ein anderes, die Klatschpappen, die viele der Besucher in den Händen halten. Womit einen Tag zuvor noch in der ratiopharm arena beim Heimspiel von ratiopharm ulm gegen Bayreuth Lärm gemacht wurde, wird heute gegen Konstanz geklatscht.

Und wie der Vizemeister in der Bundesliga von Sieg zu Sieg eilt, gewinnen auch die Damen ein Spiel nach dem anderen. Der souveräne Erfolg über Verfolger Konstanz ist bereits der 14. Sieg der Saison 2016/17 – die beeindruckende Serie wird nur von der bislang einzigen Niederlage in Ludwigsburg unterbrochen. Als entscheidenden Faktor für den Erfolg führt Coach Christoph Burrer an, „dass die Mädels 15 Freundinnen sind und diese Stimmung und den Spaß, den wir haben, das Team in dieser Saison trägt. Von Spiel zu Spiel, und von Sieg zu Sieg“. Ein bisschen erstaunlich ist es aber schon, dass ein Team, das im Vorjahr mit acht Niederlagen im Mittelfeld der Oberliga Württemberg landete, nun der Regionalliga entgegeneilt. „Wir haben uns als Mannschaft einfach besser gefunden. Alle sind motiviert, aufzusteigen“, sagt Anja Müller-Reinartz. „Außerdem zeichnet uns unser Kampfeswillen aus, den hatten wir so im letzten Jahr nicht“, sagt die Topscorerin, die mit 17,3 Punkten pro Spiel als zweitbeste Punktesammlerin der Liga geführt wird.

Wie die Profis von Sieg zu Sieg

Gelingt der Aufstieg, wären die Damen 1 wieder dort, wo sie 2013 auch schon einmal waren – allerdings unter etwas anderen Vorzeichen. Als sich der DJK/Sportbund Ulm – wo der Ulmer Damen-Basketball seit 1993 zuhause ist – durch die missglückte Suche nach einem neuen Vorstand fast selbst abschafft, fahndet Uli Schäfer nach einer alternativen Heimat. Der Mann, der seit Anfang der 1990er Jahre den Damen-Basketball in Ulm maßgeblich prägt und als Trainer über viele Jahre auch die erste Mannschaft betreut, kann Artur Kolodziejski von seiner Idee überzeugen. Nach anfänglichen Bedenken treibt der ehemalige Nachwuchskoordinator von BBU ’01 gemeinsam mit Schäfer den Beitritt der DJK-Damen in die BBU-Welt voran.

Über 100 Prozent mehr weibliche Mitglieder

Während bei BBU ’01 damals lediglich ein weibliches Team in der U13 und der U15 am Spielbetrieb teilnahm, brachte der DJK/Sportbund rund 40 aktive Spielerinnen mit in den Club. Drei Jahre später hat sich die Mitgliederzahl um mehr als 100 Prozent gesteigert und die rund 150 Spielerinnen verteilen sich auf zehn Teams von der U11 bis zur Oberliga-Mannschaft. Für Schäfer war der Wechsel zu BBU ’01 deshalb „absolut richtig“. Und der Auftritt unter einer bundesweit bekannten Marke habe „vieles professionalisiert“, meint Schäfer. „Seit wir bei BBU ’01 zuhause sind, gibt es deutlich mehr junge Mädels. Das merken wir auch in der Damen 1. Da steigt der Konkurrenzkampf und die Motivation, zu gewinnen“, erklärt Müller-Reinartz, die schon seit vier Jahren, auch noch zu DJK/Sportbund-Zeiten, für Ulm spielt.

Der Damen-Basketball beginnt also ganz langsam, seine alte Kraft zurückzuerlangen, die er in Ulm schon vor 30 Jahren hatte (siehe Kasten). Mit der 15-jährigen Annika Holzschuh, der ihr Coach anerkennend eine „Basketball-Sucht“ attestiert, hat BBU ‘01 nach sieben Jahren erstmals wieder eine Junioren-Nationalspielerin. Und mit vier Damen-Mannschaften sowie unzähligen Mädels-Teams ist der Club so breit aufgestellt wie nie zuvor.



Überraschend: die Leidenschaft der Mädels für Basketball

Die 150 Zuschauer, die dabei waren, als das Burrer-Team den Aufstiegskonkurrenten Konstanz dominierte, haben die Unterschiede zum Herrensport sehr wohl bemerkt. Die Damen spielen langsamer und konsequent unter Ring-Niveau – spektakuläre Flugeinlagen gibt es nicht. Für Coach Burrer, der selbst unter Marian Spiridon in der Regionalliga auflief, stellt sich der Vergleich mit den Herren aber nicht. Burrer, der mit seiner Statur als klassischer Brett-Center durchgeht, hat längst den ganz eigenen Reiz des Damen-Basketballs entdeckt. Weniger athletisch, dafür mehr von der Taktik geprägt. „Was mich überrascht hat, ist die Leidenschaft, die diese Mädels für Basketball haben“, so Burrer. Der Aufstieg ist seiner Mannschaft so gut wie sicher und wenn es nach Anja Müller-Reinartz geht, die Burrer, „meinen Thomas Müller“, nennt, muss das nicht das Ende der Erfolgsgeschichte sein. „Ich glaube, da ist noch mehr als die Regionalliga möglich. Wenn der Nachwuchs noch weiter ausgebaut wird, ist noch mehr drin.“

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Foto: BBU '01

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