Die Besser-Macher

Mit Chris Ensminger und Igor Perovic stehen zwei ehemalige Bundesligaspieler und -trainer für den Uuulmer Nachwuchs an der Seitenlinie. Im Interview sprechen sie über Unterschiede im Nachwuchs- und Seniorenbereich, die Entwicklung im deutschen Basketball und ihre Erfahrungen in Ulm.

Chris und Igor, ihr trainiert nun seit über einem halben Jahr die neu gegründeten Teams von BBU Allgäu/Memmingen in der JBBL bzw. NBBL. Wie fällt euer bisheriges Fazit aus?
Chris Ensminger:
Meine Familie und ich fühlen uns hier sehr wohl. Es war eine gemeinsame Entscheidung nach Ulm zu kommen. Gerade für meine Söhne ist es toll, da sie hier die Möglichkeit haben, selbst in der JBBL und NBBL zu spielen. Ich genieß es, mit den Jugendlichen zu arbeiten und weiterhin dem Basketball treu zu bleiben. Die Stadt ist großartig und meine Frau ist auch sehr zufrieden mit der ganzen Situation.
Igor Perovic:
Ich bin auch sehr glücklich hier. Es ist eine ganz neue Erfahrung, ein komplett anderer Job als den, den ich zuvor gemacht habe. Ich habe die Möglichkeit, mit vielen tollen Basketballern im Alter von zwölf bis 15 Jahren zu arbeiten; auch das Individualtraining mit den etwas Älteren genieße ich sehr.

Auch wenn es dieses Jahr nicht für die Playoffs gereicht hat: Wie schätzt ihr die Aussichten für eure Mannschaften in den Playdowns ein?
Ensminger:
Klar, wir wollen gewinnen, aber in erster Linie geht es darum, die Jugendlichen zu entwickeln und sicherzugehen, dass sie dabei Spaß haben. Wir sind ein Club, der zwei NBBL- und JBBL-Teams hat. Das ist einmalig in Deutschland. Die Jungs können sich dadurch sehr glücklich schätzen. Zusätzlich gibt es das Individualtraining – eine tolle Einrichtung – und die Aussicht, zukünftig in der BBL oder ProA zu spielen. Wir haben gegen Topmannschaften wie München, Ludwigsburg und das andere Ulmer Team gespielt. Wenn wir ein super Spiel machen und der Gegner einen schlechteren Tag hat, haben wir eine reelle Chance gegen alle zu gewinnen. In erster Linie wollen wir aber in der Liga bleiben und durch die Spiele besser werden.
Perovic:
Das einzig Wichtige ist die Entwicklung der Spieler. Es ist uns egal, wie viele Siege wir in dieser Saison einfahren konnten, da mein Team ein Jahr jünger ist als die gegnerischen Spieler. Zwischen einem 14- und einem 15-Jährigen gibt es große Unterschiede. Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht auf welchem Tabellenplatz wir sind, da es einfach nicht wichtig ist. Ich genieße es mit den Jungs zu trainieren und sie zu entwickeln. Ich bin gespannt, wie die Jungs sich nächstes Jahr schlagen, wenn sie gegen Gleichaltrige spielen.

Welche Entwicklung haben eure Spieler in den letzten Monaten gemacht?
Ensminger:
Jeder Spieler hat seine eigenen Stärken und Schwächen. Bei vielen sehe ich schon Verbesserungen in Bezug auf die schwache Hand, und dass sie das Spiel immer besser verstehen. Es gibt so viele Aspekte in denen sie Fortschritte gemacht haben, zum Beispiel bei bestimmten Moves zum Korb, Systemen und in der Defense. Es gibt auch Rückschritte, zum Beispiel als wir mit 50 Punkten gegen Ludwigsburg verloren haben. Auch wenn es manchmal nicht aus den Statistiken ersichtlich wird, merke ich trotzdem, dass die Spieler sich entwickeln. Es geht ausschließlich um den Lernprozess und ihre persönliche Entwicklung.
Perovic:
In dieser Altersstufe geht es darum, die Sportart Basketball zu verstehen. Die Jungs sollen gut mit dem Ball umgehen können, gut passen und werfen können. Es ist ein langer Prozess, der nicht nach ein oder zwei Monaten beendet ist. Sie müssen jahrelang jeden Tag trainieren. Die Spieler hier befinden sich in einer großartigen Situation. Wenn sie ambitioniert sind, werden sie ihren Weg gehen.

Igor, nach deinem ersten JBBL Spiel hast du gesagt: „Wir müssen lernen, gegen körperlich starke Gegner ohne Furcht, dafür aber mit sehr viel Speed zu spielen.“ Wie hat sich die Situation verbessert?
Perovic:
Ich spüre, dass die Spieler das Verlangen zum Lernen und Trainieren haben. Sie sind wirklich tolle Jungs. Ich mag sie alle sehr. Manche haben mehr Talent, andere weniger. Aber ich sehe, dass sie besser werden. In der Relegationsgruppe hatten wir Spiele gegen etwas schwächere Mannschaften als noch in der Vorrunde. Trotzdem sind auch in dieser Gruppe ältere und physischere Spieler dabei. Meine Jungs sind einfach noch nicht körperlich stark genug um gegen alle zu gewinnen, dafür verstehen sie das Spiel besser als ihre Gegner.

In der NBBL spielen die beiden Ulmer Teams in derselben Gruppe – also ratiopharm ulm und BBU Allgäu/Memmingen. Chris, wie ist die Beziehung zum sogenannten „großen Bruder“?
Ensminger:
Es ist selbstverständlich, dass ich bei beiden Teams so gut es geht aushelfe, egal ob im Individual- oder im Teamtraining. Wie schon das Club-Motto besagt: „We are one!“ Auf dem Feld ist man natürlich ehrgeizig und versucht, gegen den „großen Bruder“ zu gewinnen, aber schlussendlich sind wir ein gemeinsamer Club. Danny (Trainer NBBL-Team ratiopharm ulm) und ich sprechen unter anderem über die Gegner oder die Seniorenmannschaften, von der Oberliga bis zur ProA. Wir besprechen auch gemeinsam, welche Spieler wir in welchem Team einsetzen. Wir müssen alle als Coaching Staff zusammenarbeiten. Unsere Aufgabe ist es, die Jugend so weit zu bringen, dass sie den Schritt in die nächste Liga schaffen.

Dein ältester Sohn spielt für das NBBL-Team von ratiopharm ulm. Gibt es eine Rivalität im Hause Ensminger?
Ensminger:
Wir machen darüber viele Witze zu Hause. Es gab ja schon zwei Pflichtspiele zwischen meinem Allgäu/Memmingen-Team und ratiopharm ulm. Wenn dann etwas Gutes oder Schlechtes passiert, reden wir natürlich darüber. In unserer Familie sind alle sehr ehrgeizig, egal bei welchem Spiel. Aber mein Sohn Zach ist alt genug und er weiß, dass es nur Spaß ist. Ich möchte nur das Beste für ihn. Er ist schließlich mein Sohn.

Das ganze Doppelinterview gibt es ab sofort online und in der Print-Ausgabe, die überall in Ulm & Neu-Ulm erhältlich ist.

Interview: Lydia Schönbett
Fotos: BBU ‘01
Design: HALMA

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